Verbinden von Traversen unterschiedlicher Hersteller

Das optische Erscheinungsbild handelsüblicher Traversen ist aus der Ferne betrachtet gleich. Beim genaueren Hinsehen werden allerdings Unterschiede deutlich. Das Verbinden von Traversen unterschiedlicher Hersteller stellt ein hohes Haftungsrisiko sowohl für den Anwender, den Arbeitgeber, den Vermieter als auch für den Hersteller/Inverkehrbringer dar. Dieses Risiko begründet sich durch die Wirkung unterschiedlicher Rechtsgebiete wie Produktsicherheit, Produkthaftung, Betriebssicherheit und Gewährleistung sowie Stabilität und Tragfähigkeit.

Das rechtskonforme Verbinden von Traversen unterschiedlicher Hersteller ist kaum möglich. Die Person, die Traversen zweier Hersteller miteinander verbindet, wird unmittelbar zum  Hersteller eines neuen Produktes, da es als ausgeschlossen anzusehen ist, dass beide Hersteller bestätigen, dass Ihre Produkte mit Wettbewerbsprodukten kompatibel sind.

Der Anwender, der Traversen unterschiedlicher Hersteller miteinander verbindet, wird unmittelbar zum Hersteller eines neuen Produktes und unterliegt den Anforderungen Produktsicherheitsgesetzes.

Gemäß Produkthaftungsgesetz §4 gilt als Hersteller, wer ein Produkt zum Zweck des Verkaufs, der Vermietung, des Mietkaufs oder einer anderen Form des Vertriebs mit wirtschaftlichem Zweck im Rahmen seiner geschäftlichen Tätigkeit in den Geltungsbereich des Abkommens über den Europäischen Wirtschaftsraum einführt oder verbringt.

Kann der Hersteller des Produkts nicht festgestellt werden, so gilt jeder Lieferant als dessen Hersteller…

Beispiel: Eine Traverse als Lastaufnahmemittel mit einer Länge von 8m, zusammengesetzt aus Traversen unterschiedlicher Hersteller (Typ A + Typ B) wird zu Miete am Markt bereitgestellt.

Für die beiden Traversenhersteller ist nach §1 ProdHaftG die Haftung ausgeschlossen, wenn das Teilprodukt (Typ A oder Typ B) für sich fehlerfrei ist und ein Fehler erst durch die Herstellung des Endproduktes entsteht. Im Schadensfall haftet nur der, der das Endprodukt hergestellt hat. Das ist in diesem Beispiel der Anwender!

Wird eine aus Traversen unterschiedlicher Hersteller zusammengesetzte Traversenstrecke von einem Arbeitgeber einem Arbeitnehmer als Arbeitsmittel (z.B. Lastaufnahmemittel) bereitgestellt, so ist der Arbeitgeber gemäß Betriebssicherheitsverordnung für die Sicherheit des Arbeitsmittels verantwortlich. Siehe Betriebssicherheitsverordnung:

§ 3 Gefährdungsbeurteilung

(1) Der Arbeitgeber hat bei der Gefährdungsbeurteilung nach § 5 des Arbeitsschutzgesetzes unter Berücksichtigung der Anhänge 1 bis 5, des § 6 der Gefahrstoffverordnung und der allgemeinen Grundsätze des § 4 des Arbeitsschutzgesetzes die notwendigen Maßnahmen für die sichere Bereitstellung und Benutzung der Arbeitsmittel zu ermitteln. Dabei hat er insbesondere die Gefährdungen zu berücksichtigen, die mit der Benutzung des Arbeitsmittels selbst verbunden sind und die am Arbeitsplatz durch Wechselwirkungen der Arbeitsmittel untereinander oder mit Arbeitsstoffen oder der Arbeitsumgebung hervorgerufen werden.

Es muss ausdrücklich darauf hingewiesen werden, dass eine Gefährdungsbeurteilung für eine zusammengesetzte Traverse die als Arbeitsmittel bereitgestellt und eingesetzt wird, immer einen Nachweis der Stabilität und Tragfähigkeit beinhalten muss. Für eine Traversenstrecke als Einfeldträger (an nur zwei Punkten gelagert) wird dies von vielen Herstellern durch eine Baumusterprüfung (z.B. durch den TÜV) geleistet. Für komplexere Konstruktionen muss grundsätzlich ein eigenständiger Nachweis geführt werden! Siehe hierzu DGUV Vorschrift 17/18 und DGUV Regel 115-002.

Hinsichtlich der Stabilität und Tragfähigkeit von zusammengesetzten Traversen unterschiedlicher Hersteller muss ausdrücklich darauf hingewiesen werden, dass sich bereits kleinste Toleranzen in den Verbindungselementen drastisch auf die Tragfähigkeit auswirken können. Aufgrund unterschiedlicher Abmessungen (Durchmesser, Konuswinkel, Länge) der Verbindungselemente können die tatsächlich übertragbaren Kräfte in einer Verbindung zweier unterschiedlicher Traversen (z.B. durch Biegung der Bolzen in Folge zu großer Abstände zwischen Innenradius des zylindrischen Teils der Konusbuchsen und Außenradius des zylindrischen Teils der Konusverbinder) auf einen Bruchteil der für die Systeme angenommenen Werte reduziert werden. Beispiel: Hat der Konusverbinder zu viel Spiel in einer zu großen Konusbuchse, wird der konische Bolzen schnell durch Biegung überlastet.

Die weitläufige Auffassung, dass bei Verbindung von Traversen unterschiedlicher Hersteller die Belastungsdaten der schwächeren Traverse als hinreichend sicher gelten, entbehrt jeglicher physikalischer und auch rechtlicher Grundlage.

Unterschiedliche Materialeigenschaften und Fertigungsverfahren führen zu unterschiedlichen Bemessungsschnittgrößen der verschiedenen Traversentypen. Ein individueller Nachweis der Stabilität und Tragfähigkeit von zusammengesetzten Traversen unterschiedlicher Hersteller wäre somit immer erforderlich. Dies lässt sich in der täglichen Praxis nach vernünftigem Ermessen nicht umsetzen.

Mixing Truss Brands